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INFESTUS

„Chroniken des Ablebens“ heißt der Silberling, mit dem die deutsche Band INFESTUS dieser Tage ihr offizielles Label-Debüt – bestehend aus rohem traditionellen Black Metal – auf die Hörerschaft loslässt. Eine schwere Geburt: Bereits vor einem Jahr kündigte die 2003 gegründete Zwei-Mann-Band ihr Album auf der Band-Website an. Drummer und Bassist Andras hat gute Gründe für die Verzögerung.

Könnt ihr bitte für die Leser, die euch noch nicht kennen, eure Bandgeschichte kurz zusammenfassen?
INFESTUS entstand 2003 und ist die Rematerialisierung der längst verwesten Überreste Dunkelfronts. INFESTUS veröffentlichten damals ein Demo. Darauf folgten ein selbst produziertes Album und eine Split mit Lost Life, welche unter FFP erschien. Harbarth, der Gitarrist, verließ die Band bereits Anfang 2006 aufgrund kreativer und motivationsbedingter Missstände. Seit jeher besteht INFESTUS aus zwei Existenzen, die in der Philosophie des Lebens/des Todes und anderen Dingen sehr ähnliche Ansichten vertreten und damit dem Dämon INFESTUS seine hässliche Fratze verleihen. INFESTUS repräsentieren jedwede Art negativer Gedanken, Gefühle und Taten, die Ihr in Eurem Leben vor anderen und/oder Euch selbst verheimlicht, bzw. zum Ausdruck bringt. Ich kümmere mich gänzlich um die musikalische Verwirklichung, wobei Dagon als Sprachrohr der Verachtung die Hetzschriften in Eure vermoderten Gehörgänge schreit.

Wie ist es gekommen, dass ihr als deutsche Band nun bei einem französischen Label gelandet seid? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit bisher?
Wir waren auf der Suche nach einem Label, das zu uns passen könnte; allgemein die Sicht der Dinge sowie auch den Sound betreffend. Als ich die Netzpräsenz von Debemur Morti Productions das erste Mal zu Gesicht bekam, den Namen, die Aufmachung und die Andeutungen auf deren Ideologie dort lesen konnte, war von Beginn an eine gewisse Sympathie vorhanden. Die darauf folgende Kontaktaufnahme und die daraus resultierenden Unterhaltungen beschwerten die Hypothese, die Gemeinsamkeiten vermuten ließ. Der Klang von INFESTUS überzeugte Void (DMP-Labelbesitzer), und so stand einer Zusammenarbeit nichts mehr im Wege. Dass es sich hierbei um ein französisches Label handelt, war und ist für uns völlig nebensächlich. Priorität hat für uns die Person, die dahinter steht und deren Einstellung/Ansichten. DMP ist ein sehr engagiertes Label. Void macht seine Arbeit ausgezeichnet! Ich kann mich in keinster Weise beschweren.

Euer aktuelles Album habt ihr ja bereits vor einem Jahr auf eurer Website angekündigt – was sind die Gründe, warum sich die Veröffentlichung so verzögert hat, bzw. warum ihr allgemein eher selten etwas Neues veröffentlicht? Wann kommt das Album denn jetzt definitiv raus?
Tatsächlich waren die Aufnahmen für „Chroniken des Ablebens“ bis dahin auch schon so gut wie zum Ende gekommen. Ich habe mich dann um den Mix gekümmert, was einige Zeit in Anspruch nahm. Dazu kam dann noch mein Studium, das es mir für einige Monate unmöglich machte, mich um Musik zu kümmern. So verzögerte sich alles nur noch mehr. Beim Schreiben der Musik kenne ich kein Zeitlimit. Wenn es eine gewisse Zeit benötigt, dann soll diese Zeit gegeben sein. Immerhin geht es mir nicht im Geringsten darum, so viel wie möglich auf den ´Markt´ zu werfen! Primäres Ziel ist es, meine Zustände zu vertonen, sie damit für mich unvergessen zu machen und – so weit es möglich ist - andere damit zu infizieren. Meine „Dämonen“ fordern Materialisierung! Ich bin deren Ursprung und Mittel. Dagon geht es da nicht anders. Auferlegter zeitlicher Druck führt nur zu Qualitätsminderung und Oberflächlichkeit. Und dies ist nicht erstrebenswert. Immerhin geht es hier um Vertonung bzw. Vertextung, die in sehr engem Kontext mit den psychischen Zuständen der Verfasser stehen. Das neue Album wird sobald wie möglich veröffentlicht. Das Mastering wurde bereits von den Necromorbus Studios abgeschlossen. Wir warten nur noch auf das Cover-Artwork und die Logoüberarbeitung, welche doch mehr Zeit in Anspruch nehmen als gedacht. Wenn all dies abgeschlossen ist, wird es auch ein Veröffentlichungsdatum geben. Gutes braucht Zeit…

Euer Material klingt ja sehr am traditionellen Black Metal orientiert – was haltet ihr von der aktuellen Black Metal-Szene, besonders hier in Deutschland?
Wir haben mit der Szene mittlerweile nicht mehr viel zu tun. Wir stehen abseits und leben unsere Überzeugung somit aus. Mit Black Metal-Clans und all den Vereinigungen etc. können und wollen wir nichts anfangen. Was soll so was? Nun, nach unserer Interpretation verkörpert diese Musikrichtung neben anderen negativen Gefühlen vor allem zwei Zustände: Einsamkeit und Individualismus! Und in diesem Kontext leben/überleben Teile meines Ichs bzw. finden dort ihr Ventil und fordern Tribut, da sie meist mit dem Alltag nicht zu vereinbaren sind. Die musikalische Seite der Szene bietet in Deutschland einige gute Veröffentlichungen. Ich möchte jetzt aber nicht all das auflisten, was mir imponiert. Ich bin nichts anderes als infiziert mit dieser Krankheit und genieße immer noch die Fieberschübe, die Schmerzen und natürlich die Schmerzmittel in Form von Musik. Dabei ist es mir auch vollkommen egal, ob es sich hierbei um neue Veröffentlichungen oder altes Material oder auch um gänzlich verschiedene Musikrichtungen handelt. So lange es weh tut bzw. an der Seele zerrt, erfüllt es seinen Zweck!

Was treibt euch an oder inspiriert euch, wenn ihr neues Material schreibt?
Es treibt alles, was schmerzt! Psychische Missstände sind der Urgrund dieser auditiven und lyrischen Personifikation/Realwerdung/Kreation. Diese Musik ist das Ergebnis der Kompensation von Zuständen, die gemildert werden müssen! Erfahren sie keine Milderung, wird aus Erschaffung sehr schnell Zerstörung (auf jeglicher Ebene)! Es braucht daher auch seine Zeit, diese Ausdrücke konzeptionell zu arrangieren, was wiederum nur in diesen Zuständen möglich ist. Vieles wird wieder zerstört und neu aufgebaut. So ist der Lauf der Dinge. Thematik spielt auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung von neuem Material. „Chroniken des Ablebens“ zum Beispiel befasst sich ausschließlich mit dem Moment des Todes; mit den plötzlich aufkommenden Erinnerungen an ein vergeudetes und wertloses Leben, dem Hass und der Feindseligkeit zu Lebzeiten und dem Hin- und Hergerissensein zwischen der Sehnsucht, dieses Leben zu beenden und der jedem Lebewesen innewohnenden Angst vor dem Tod. Es wird hier also eine Zeitspanne von einigen Sekunden exzessiv verlängert, um auf verschiedene Aspekte des Sterbens einzugehen. Selbst das Sterben wird dich hier nicht befreien! Die Regeln der Zeit gelten in diesem Moment nicht mehr. Es zerfrisst deinen Verstand. Wann du endgültig verendest, kann keiner sagen. Für neues Material wird es wieder ein Konzept geben. So viel sei verraten.

Könnt ihr zusammenfassen, worum es euch in euren Texten geht?
Im Allgemeinen sind die Texte die lyrische Verkörperung der Musik. Von nichts anderem handeln sie als von allem Negativen, das Euer aller Leben beherrscht. Alles, das Euch alltäglich quält und in den Wahnsinn treibt. All die Feindseligkeit und die soziopathischen Verhaltensmuster, die uns innewohnen. Jegliches negative Gefühl ist ein Teil  von INFESTUS und wird durch uns vertont. Wir hassen, und wir werden gehasst. Wir sind der Teufel auf eurer Schulter. Der Thematik der Chroniken folgend, geht es bei der Lyrik des kommenden Albums wie bereits erwähnt um den Moment des Todes und den damit einhergehenden Erinnerungen und Gefühlen.

Was ist für die nahe Zukunft geplant? Wird es noch Live-Auftritte geben, nachdem ihr nur noch zu zweit seid?
Session Musiker stünden zur Verfügung. Klar ist jedoch, dass Live-Auftritte eine Rarität bleiben werden. In der Vergangenheit haben wir einige Auftritte bestritten. Jedoch haben wir schnell erkannt, dass diese Art der Musik nicht wirklich für eine Bühne gemacht ist. Black Metal kann seine negative Energie nach unserer Auffassung erst dann vollständig in seiner zerstörerischen und paradoxerweise auch in einer gewissen scheinheilig heilenden Art entfalten, wenn man gänzlich allein - abgekapselt von allem und jedem - dieser Musik seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenkt. Mit Trinkgelagen, lauter Musik und Gegröle verbinde ich diese Musik nicht. Sie hat eine sehr viel tiefergehende, psychische Komponente, die diese Musik von anderen Metal-Genres differenziert. Ich denke trotzdem, dass es vielleicht irgendwann einmal wieder so weit kommen wird. Und dann werden wir uns etwas Besonderes einfallen lassen.

 

Irgendein letzter Kommentar an unsere Leser oder etwas essentiell Wichtiges, das ich vergessen habe?
Alles Leben nichtig!!!

Diana Glöckner

www.infestus.com

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