Abo/Bestellen | Kontakt | Impressum | Mediadaten | Sitemap | 


EDEN WEINT IM GRAB

Die Seele kennt kein Grab

„Die Geschichte von EDEN WEINT IM GRAB ist nicht sonderlich spannend. Ein Demo aufgenommen im Jahr 2000, Projekt wieder begraben, 2004 wieder auferstehen lassen und ohne Erwartungen das Debüt „Traumtrophäen toter Trauertänzer“ aufgenommen, das es online zum freien Download gab.“

So kurz kann man eine mehrjährige Bandgeschichte umreißen, doch mit genau dieser Download-Aktion tritt Alexander Paul Blake eine Welle los, mit der er selbst wohl am allerwenigsten rechnet, so dass es mit EDEN WEINT IM GRAB durchaus spannend weitergeht und dieser Tage mit „Trauermarsch nach Neotopia“ das zweite Album erscheint. Sehr auskunftsfreudig zeigt sich Herr Blake zu diesem Anlass, möchte seine eigene Person jedoch bevorzugt weiterhin im Dunklen wissen. „Alexander Paul Blake ist eigentlich schon ein Unbekannter und soll es auch bleiben. Er ist gewissermaßen das dunkle alter ego, das nur im Zusammenhang mit EDEN WEINT IM GRAB existiert und diesem Projekt jene mysteriöse Aura erleiht, die es vom Alltäglichen abhebt.“
Etwas mysteriös wird einigen auch der Bandname erscheinen, dessen Abkürzung nicht zufällig das Wort ´ewig´ ergibt. Dies wird umso deutlicher, je intensiver man sich mit den Veröffentlichungen beschäftigt. „Beides hat sich gegenseitig bedingt, denn die Abkürzung ist natürlich ein Konstrukt und der Name nicht zufällig gewählt. Ich wollte einen Namen, der auffällig und unkonventionell ist und die Menschen vor den Kopf stößt. Zudem sollte er vielfältig interpretierbar sein. Ich mag das Paradoxon, das er beinhaltet, denn das Grab wird gemeinhin mit dem Zustand ´tot´ verbunden, das Weinen ist aber eine aktive Handlung, also ist hier etwas doch nicht ganz so tot, wie es scheint, sondern in einem Zwischenzustand befindlich. Und wenn man sich die Abkürzung ´ewig´ vor Augen führt, wird klar, dass EDEN WEINT IM GRAB einer spirituellen Grundhaltung folgt. Erschließen muss diese aber jeder selbst.“

Wegwerfgesellschaft

Das Debütalbum „Traumtrophäen toter Trauertänzer“ wird nicht nur nach wie vor zum freien Download angeboten, um mehr Hörer zu erreichen, denn „wozu sollte man in monatelanger, mühevoller Arbeit Songs aufnehmen, die anschließend kaum jemand zu Gehör bekommt? Und da es nicht möglich war, ein großes Label mit solch unkonventioneller Musik zu begeistern, ging ich eben diesen damals noch recht abenteuerlichen Schritt. Mittlerweile gehen ja mehr und mehr Bands dazu über, ihre Musik einfach online zu stellen“. Darüber hinaus findet sich auf der Band-Webseite eine Bemerkung, die klar macht, dass die heutige Konsumgesellschaft auch vor dem leichtfertigen Umgang mit dem künstlerischen Medium Musik nicht mehr Halt macht. „Ja, Musik wurde in den letzten Jahren immer mehr zum Wegwerfprodukt degradiert, was die Veröffentlichungsflut in der Informationsgesellschaft und die Erfindung neuer günstiger Speichermedien und neuer Formate leider mit sich brachte. Ich habe oft den Eindruck, dass viele Menschen Musik nur noch nebenbei und über schlechte Soundsysteme ´konsumieren´ und sich kaum jemand mehr in Ruhe hinsetzt und ganz bewusst nur Musik hört. Andererseits sehe ich selbst, dass es kaum mehr wirklich interessante Veröffentlichungen gibt, die es wert sind, dass man sich dafür Zeit nimmt, denn in kaum einem Genre werden noch ernsthaft neue Impulse gesetzt – fast alles klingt wie eine Kopie des bereits Vorhandenen. So gesehen, scheinen wir uns in einer künstlerischen Endzeit zu befinden, aber das glaubten ja die Künstler seit jeher von ihrer eigenen Epoche. Als Künstler muss man sich aber diesen neuen Mechanismen ein Stück weit einfach anpassen, wenn man wahrgenommen werden will, da hilft kein Lamentieren. Die Entwicklung schreitet unaufhaltsam voran, und wer nicht mitzieht, wird wohl keine Chance haben, seine Musik an Mann und Frau zu bringen.“

Gegenkurs

EDEN WEINT IM GRAB schafft es erfolgreich, sich nicht einfach treiben zu lassen, sondern Kategorisierungsschubladen zu umschiffen und eben nicht wie eine Kopie bereits Dagewesenen zu klingen. Das nimmt beim Debütalbum seinen Anfang und wird in ausgereifter und auch verspielterer Form bei „Trauermarsch nach Neotopia“ fortgesetzt. „Ausgereifter würde ich unterschreiben. Ob das Album verspielter ist, kann ich selbst nicht beurteilen, da ich nicht sicher bin, woran man das festmacht. Meiner Meinung nach hat das Album sehr klare Strukturen, kommt auf den Punkt und besitzt eine extrem hohe Eingängigkeit. Meine Einflüsse sind seit jeher mannigfaltig und stammen aus den verschiedensten Stilistiken, da ich mich ungern limitiere. Ich denke, nur so kann man etwas Eigenes erschaffen, denn wird den ganzen Tag nur eine Richtung hört, wird auch mit der eigenen Musik unweigerlich diese Richtung einschlagen. Was die Einflüsse angeht, hat sich also nichts geändert, und mit wem auch immer man die Musik vergleichen mag, es gibt keine andere Band, die ich als Einfluss für EDEN WEINT IM GRAB auch tatsächlich anerkennen würde, da die Beeinflussung immer nur unbewusst geschieht. Mir ist wichtig, dass EDEN WEINT IM GRAB als eigenständige Band wahrgenommen wird.“
Dem dürfte kaum etwas entgegen stehen. Der Blakesche Stilmix ist auch auf „Trauermarsch nach Neotopia“ schwer einzuordnen, auch wenn man für die neuen Werke verstärkt die Elektronik für sich entdeckt zu haben scheint und pianeske Momente, Georgel oder flächige Keys bin hin zu fast technoiden Sequenzen in die Strukturen einfließen lässt. „Der Einsatz von Piano, Orgel und flächigen Keyboards ist ja nicht wirklich als Elektronik einzustufen, oder? (Wenn man unter Elektronik mit von Computern erzeugte Klängen versteht, schon – Anm. d. Verf.) Technoide Synthies sind hin und wieder vorhanden, aber sehr subtil und so dass sie sich dem Sound unterordnen – nicht dass nun ein Freund des ersten Albums verschreckt wird... In der Tat nimmt die Gitarre diesmal eher eine rhythmische Funktion ein und das Piano bzw. die Keyboards verstärken die Melodieführung. Wieso das so ist, kann ich leider nicht beantworten, da ich die Songs nie plane. Sie entstehen einfach aus dem Moment heraus, und ich vertraue hier voll und ganz meiner Intuition. Es wäre doch vermessen, sich selbst den Einsatz stilfremder Elemente zu untersagen, wenn sie den Song bereichern. Ich habe im Hinterkopf eine nicht wirklich in Worte zu fassende Vision von EDEN WEINT IM GRAB, und erlaubt ist eben alles, was dieser Vision zuträglich ist.“
Die durch den Deal mit Avasonic/Omniamedia/Rough Trade nun auch einem größeren Publikum zugänglich gemacht wird, nachdem ein Vertrag mit Massacre Records nicht zustande kommt. „Ich möchte nun nicht über Massacre Records schimpfen. Die einzige Hoffnung, die ich habe ist, dass ich irgendwann zu diesem Label sagen kann, seht her, ihr habt damals einen großen Fehler begangen. Aber wenn ein Label nicht an eine Band glaubt, bringt eine Zusammenarbeit auch nichts. Die ganze Aktion war ärgerlich, aber ich bin kein nachtragender Mensch und bin der Meinung, dass immer alle Dinge, die passieren, einen Sinn haben…“

Neue Ufer

Das neue Label kennt Alexander Paul Blake bereits durch eine anderweitige Zusammenarbeit und kann sie letzten Endes überreden, die Sache mit EDEN WEINT IM GRAB zu riskieren. „Glücklicherweise gaben sie mir diese Chance, denn EDEN WEINT IM GRAB ist für jedes Label ein gewisses Risiko, da dieses Projekt in keine Schublade passt und sich die Vermarktung schwerer gestaltet als beispielsweise bei der x-ten MetalCore- oder Death Metal-Band, wo jeder weiß, woran er ist. Bislang bin ich mit der Zusammenarbeit zufrieden. Mal abwarten, wie sich alles weiter entwickelt, es beginnen gerade spannende Zeiten, da sich die Dinge nun endlich zu bewegen scheinen.“
Auch der erste Live-Auftritt am 31. Mai zusammen mit Das Ich ist ein Novum, das der Deal mit sich bringt, so dass das bislang reine Studioprojekt der Vergangenheit angehören könnte. „In der Vergangenheit sträubte ich mich vehement gegen Live-Auftritte, da sie nicht meiner Vision des Projektes entsprachen und ich mir keine passende Umsetzung vorstellen konnte. Durch den Labelvertrag haben sich die Dinge ein wenig geändert, da EDEN WEINT IM GRAB nun etwas größer promotet wird und die Chancen steigen, an interessante Konzerte zu gelangen, die wirklich sinnvoll sind. Außerdem erwartet das Label auch, dass ihre Bands live spielen. Dies und das Betteln vieler Fans haben mich überzeugt, dem Gedanken eine Chance einzuräumen. Bevor ich weitere Konzerte zusage, möchte ich aber erst mal diesen ersten Gig abwarten und sehen, ob das Gefühl stimmt und wir es entsprechend meiner Vorstellungen umsetzen können, denn wenn es ein reiner Krampf ist, belasse ich EDEN WEINT IM GRAB künftig lieber weiter im Studio.“

Kreativität ist eigensinnig

Dieses Studio ist der Ort, an den sich Herr Blake zurückzieht, wenn es gilt, seine Visionen weiter zu entwickeln. „Ich setzte mich ins Studio und spiele so lange an meinen Geräten herum, bis etwas Brauchbares den Weg durch die Soundkarte findet. Manchmal entstehen dabei großartige Dinge, oftmals gibt man auch nach einer Weile entnervt auf, weil man überhaupt nichts Akzeptables auf die Reihe bekommt. Kreativität lässt sich eben nicht erzwingen, wie ich oftmals schon leidvoll erfahren musste. Fakt ist jedenfalls, dass meine Songs immer eine Weile brauchen, bis sie zu dem werden, was man letztlich hört, denn Produktion und Arrangement sind dabei ein sehr entscheidender Faktor, und die Stücke brauchen immer Zeit, um zu wachsen. Ich bin kein spontaner Songwriter, der innerhalb von einer halben Stunde einen großen Song schreibt, sondern eher ein Produzent und Tüftler, der seine Visionen erst entwickelt, wenn die ersten Rhythmen und Akkorde schon auf Band sind, und ohne sein eigenes Studio wohl aufgeschmissen wäre.“
Bei seinen Tüfteleien stellt Herr Blake auffällig oft Pianoklängen sägende Gitarren und einen treibenden Beat gegenüber oder lässt Klargesang, Flüstern und Krächzen parallel laufen. Ist es das Spiel mit den Gegensätzen, dass ihn hierbei so reizt? “Vielleicht. Aber nicht aus Berechnung heraus. Ich versuche einfach, die Musik abwechslungsreich und interessant zu gestalten und jedem Song einen eigenen Charakter zu verleihen, denn langweilige Alben, die vom ersten bis zum letzten Akkord auf der selben Intensitäts- und Dynamikskala agieren, gibt es doch schon genug. Wie gesagt, ich bediene mich gerne jeglicher Stilmittel, die meine musikalischen Fähigkeiten zulassen, um etwas Eigenes zu erschaffen, das nicht wie eine Kopie bereits vorhandener Musik klingt. Und ich glaube, in der Richtung besteht für die Zukunft noch viel Potential, um das eigene Gesicht des Projektes noch stärker herauszuarbeiten.“
Das eigene Gesicht ist nicht nur in der Musik sehr ausgeprägt, sondern zeigt sich auch in den durchweg in deutscher Sprache verfassten Texten, die nicht nur von der Musik losgelöst als Gedichte gelesen werden können, sondern hinter denen tiefgründige Gedanken stehen, in die Herr Blake uns gern einen Einblick gewährt. In der alten Bandinfo heißt es, dass EDEN WEINT IM GRAB den ´klagenden Geistern der Verblichenen ihre Stimme leihen´. In den Texten des neuen Werkes „Trauermarsch nach Neotopia“ finden sich ebenso wieder Momente, in denen ´Tote von der anderen Seite ihre Stimmen erheben´ bzw. Themen wie Vergänglichkeit und das Jenseits hinterfragt werden. Durch die Zeitalter hindurch hat sich die Wahrnehmung solcher Themen immer weiter verschoben, was sich auch in den Gedanken des Herrn Blake spiegelt.

Die größere Wirklichkeit

“Kommt drauf an, welche Gesellschaft man betrachtet. In unserer Kultur wird das Thema Tod gerne verdrängt und damit Ängste geschürt, weil der Wegfall alter Glaubenssysteme und die Erklärung der Welt rein durch den Verstand eine große Lücke hinterlassen haben, die ich als Romantiker gerne wieder füllen möchte, indem ich das Transzendente thematisiere. Die Welt ist eben nicht rein durch die Ratio und die Naturwissenschaft erklärbar, beides gerät an einem gewissen Punkt an seine Grenzen – und fernab dieser Grenzen werden Gedanken gerne als Esoterik abgetan. So gesehen sind EDEN WEINT IM GRAB esoterisch oder besser gesagt spirituell, denn ich sehe Leben und Tod nur als Teil einer viel größeren Wirklichkeit an und ironisiere das beschränkte Denken vieler Menschen in den Texten, indem ich dem kalten, engen und nassen Grab so viel Aufmerksamkeit schenke. Eigentlich geht es mir jedoch nur darum zu sagen, dass die Seele kein Grab kennt und ich den Tod als ein Tor zu einem neuen Bewusstseinszustand sehe.“
Wenn die Seele ewig ist und mehrere Bewusstseinszustände durchwandert, stellt sich die Frage, ob für Herrn Blake andere Dimensionen existieren, oder Geister, die den Kontakt zu Wesen im Diesseits suchen. Und ob die heutige Zivilisation jegliche Sensibilität für derartige Kontakte verloren hat oder aber verleugnet? “Ob sie den Kontakt suchen, weiß ich nicht, aber dass es Dimensionen fernab der rein materiellen, hiesigen Welt gibt, daran zweifle ich nicht. Ich glaube, dass alles weitaus komplexer ist, als dass es unser Verstand begreifen könnte und dass wir die Dinge deswegen gerne vereinfachen, z.B. in Form von religiösen Weltsichten. Das Problem ist wahrscheinlich einfach, dass wir viel zu fokussiert sind auf die hiesige Welt und unsere Selbstbezogenheit es schwer macht, anzuerkennen, dass wir nur kleine Punkte in einem riesigen System paralleler spiritueller Existenzen sind und unsere geistige Entwicklungsstufe wahrscheinlich noch im Vorschulalter anzusiedeln ist. Genau diese Sensibilität für Dinge fernab des Materiellen ist unserer westlichen Gesellschaft in der Tat abhanden gekommen – die Folge sind Erscheinungen wie die Gier nach Macht, Kontrolle und Geld, denn andere Werte scheinen in unserer Gesellschaft ja kaum noch zu zählen.“
Die Gier des Einzelnen ist es, die uns wieder auf den Begriff der Ewigkeit stößt. Wer auf Macht und Kontrolle aus ist, möchte doch auch einen bleibenden Eindruck für die ´Nachwelt´ hinterlassen, eine Form der Beständigkeit erreichen, die er durch die limitierte Zeitspanne des hiesigen Lebens bedroht sieht. Im Stück ´Durch Sturm und Äonen´ ist vom ´Ewigkeitsweben´ die Rede, doch wird man auch nach mehrmaligem Hören den Eindruck nicht los, dass Herr Blake ´Ewigkeitsstreben´ singt, was nicht ganz dasselbe ist. Sieht er hierin, so denn das Hörvermögen nicht getäuscht wird, das Streben nach dem ewigen Sein, das man mit der Unfähigkeit gleichsetzen könnte, einen einzelnen Moment bewusst zu erleben? “Ist das nicht das Gleiche? Man strebt nach etwas und dadurch webt man sich eine eigene gedankliche Welt. Ich glaube, das Streben nach Unsterblichkeit wohnt jedem Leben inne, denn der Gedanke, dass es das eigene Selbst – das doch alles ist, was man hat – eines Tages nicht mehr ist, scheint außerhalb des Vorstellbaren zu liegen. Wir kennen die Welt doch nur aus unserer Sicht. Ich glaube auch, dass hinter allen Religionen eine größere Wahrheit steht, von der die bekannten Glaubenssysteme aber immer nur Teilaspekte sehen und diese entsprechend der eigenen Interessen (fehl-)interpretieren und vereinfachen. Aber das Bedürfnis, etwas zu glauben, ist dem Menschen eigen, und ich denke, das liegt daran, dass es da draußen viel mehr gibt, als wir mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen können. Wir ahnen dies gewissermaßen, und daraus baut jeder sein eigenes Glaubenssystem, das jeweils nur unbewusster Ausdruck einer höheren Wahrheit ist. Die Frage ist aber, ob wir mit der Wahrheit überhaupt umgehen und sie verkraften könnten. Deshalb hat die Unwissenheit des Menschen sicher seinen Sinn.“

Künstlerische Freiheit

Unwissend oder mit dem großen Fragezeichen im Gesicht fühlt sich der Hörer mitunter auch, wenn er mit Textzeilen wie ´Meine Trauerweide weidet nicht´ oder ´Das Leben ruht am Zeitenrand´ (beide aus dem Stück ´Für Phantasus, ein Traumsonett…´) konfrontiert wird. Unweigerlich kommt man ins Grübeln, ob das Leben oftmals nicht mehr das Leben ist, das wir leben könnten, wenn wir aus der Lethargie und Motivationslosigkeit erwachen würden, und ob sich das auch wieder in einem Stück wie ´Weltgeheimnis´ wiederfindet. “Also, ´Für Phantasus ein Traumsonett´ ist ein Lied über Kunst – über ein Leben für die Kunst, für die man sich in eine eigene gedankliche Welt zurückzieht. Entsprechend muss man den Text nicht wortwörtlich lesen. Aber jedem steht frei, herauszulesen, was immer ihm beliebt, denn dafür ist ein EDEN WEINT IM GRAB-Songtext schließlich so geschrieben, dass er auf mehren Ebenen funktioniert und verschiedene Interpretationen zulässt, von denen keine richtig oder falsch sind. Und ich als Urheber interpretiere die Texte auch nur. Manchmal schreibt man gedankenverloren etwas auf und wundert sich nachher, wie man darauf gekommen ist und was es zu bedeuten hat. Aber irgendwann ergibt es dann wieder Sinn, wenn man eine Weile darüber nachgedacht hat. ´Weltgeheimnis´ ist aus meiner Sicht ein Song über jenen angesprochenen Zauber, der in unserer Welt verloren gegangen ist. Der Protagonist tritt eine Reise nach Neotopia an, um ihn wieder zu finden und das Weltgeheimnis zu ergründen. Ob Neotopia nun eine Art Jenseits ist oder doch ein kleines Königreich in jedem von uns, überlasse ich dem Hörer.“
Der Zauber, der in unserer Welt verloren ging, eine Reise zur Wiederentdeckung der Phantasie und das Gefühl, das dem Verstand gegenüber gestellt wird. Das alles, und noch wesentlich mehr, findet sich in „Trauermarsch nach Neotopia“. Ist Alexander Paul Blake ein hoffnungsloser Romantiker, dem die Kälte dieser Welt als zusätzliche Inspiration dient, und der dem Verstand die Rolle des Antagonisten der Liebe zuweist? “Schön formuliert. Ja, ein Stück weit trifft dies zu. Er ist zwar nicht hoffnungslos, aber ein Romantiker, der sich nach einer Welt sehnt, in der das Transzendente wieder einen größeren Stellenwert einnimmt und die Vernunft nicht der einzige Maßstab für das Handeln ist. Wo sind die Menschen mit all den großen Visionen, wo ist die Phantasie hin und wo die großen Dichter, die beispielsweise die Epoche der Romantik prägten? Ich habe das Gefühl, dass in der modernen kapitalistischen Gesellschaft die Menschen nur noch als Arbeitsmaschinen angesehen werden, die zu funktionieren haben, und Dinge wie Kunst und Kultur sich dem unterzuordnen haben. Was für eine Schande.“

Namhafte Einflüsse

EDEN WEINT IM GRAB sträubt sich, musikalische Einflüsse zu nennen, fließen diese doch, wenn überhaupt, unbewusst ein. Seine Texte hingegen sieht Herr Blake in der ´Tradition solcher Strömungen wie Romantik, Symbolismus oder Surrealismus´ und gibt Interessierten ein paar lyrische Empfehlungen mit auf den Weg. „Ich habe deutsche und englische Literaturwissenschaft studiert und konnte mir dadurch ein solides Grundwissen aneignen. In letzter Zeit kommt die Poesie aber viel zu kurz, weil der ‚geschäftliche’ Alltag alle Energie in Anspruch nimmt und für ruhige Momente der Einkehr kaum noch Zeit ist – und wenn dann eher, indem man im Studio sitzt und an neuen Songs arbeitet. Das nervt ein wenig, und ich hoffe, dass sich die Zeiten wieder ändern. Großer Einfluss für mich waren Dichter wie Rimbaud, Baudelaire, Novalis, Rilke, Benn oder Trakl, deren Lyrik ich jedem Interessierten natürlich wärmstens ans Herz legen kann.“ Und damit nähert sich ein interessantes und etwas ungewöhnliches Interview seinem Ende. Zeit für die berühmten letzten Worte. “Danke für die interessanten Fragen, und danke an die EDEN WEINT IM GRAB-Fans, die mir nach dem ersten Album den Mut gaben, weiter an das Projekt zu glauben. Ich hoffe, sie werden das zweite Album ebenso lieben und ihm trotz der Tatsache, dass man die CD nun kaufen muss, eine Chance geben...“

Endrew Stepan

www.edenweintimgrab.de
www.myspace.com/edenweintimgrab

Am Kiosk

Zum Inhalt...
Ausgabe 68

Interviews mit Dimmu Borgir, Apocalyptica, Melechesh, Forbidden, Enslaved, Autopsy, Therion, Neaera, Teufel, Asphvx, Tristania, Amorphis, Arckanum, Kataklysm + 4 Poster + 18 Song CD
Ab 26.08. am Kiosk erhältlich.

Rock In Concert

Follow Us

News

Zur Newsübersicht

01.09.2010
METALFEST 2011
Tickets & Bands
29.08.2010
ADORNED BROOD
Fehlerteufel Listeningsession-Report LEGACY #68
18.08.2010
SVARTEDIKET
Black Metal goes Musicalbühne
18.08.2010
CORONER
Zurück Im Ring
12.08.2010
UNHEILIG
Typisierungsaktion in Schwetzingen: gegen Leukämie
09.08.2010
BRUTAL ASSAULT
Trinkpalette
06.08.2010
EVOCATION
Studioarbeit und exklusiver Gig
06.08.2010
HAIL OF BULLETS
Schliessen Aufnahmen zum 2. Album ab
06.08.2010
ROCK THE LAKE FESTIVAL
Unter dem Motto „Bang For Nature“
06.08.2010
DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Neues Album im Anmarsch
30.07.2010
UNTIL THE LIGHT TAKES US
Filmpremiere in Berlin am 6. August
30.07.2010
ROCK FOR ROOTS
(www.rock-for-roots.de)
30.07.2010
BLOOD
German Grindcore
30.07.2010
GRAVE DIGGER
„The Clans Will Rise Again“
30.07.2010
BERGTHRON
Neues Album nimmt Konturen an
29.07.2010
ROCKCAFÉ HALFORD
Berliner „Rockcafé Halford“ an exklusivem Standort
26.07.2010
BELPHEGOR
setzen an zur Süd-Ost-Entweihung
16.07.2010
CREMATORY
20 Jahre Gothic Metal made in Germany
16.07.2010
ESSENZ
Der Kult des Unaussprechlichen
16.07.2010
MAGNUS
Dabei in Polen seit eh und je

Nach oben
© Devil Inc. Presseverlag 2009
Powered by Contenido Open Source CMS
Design, Konzept & Umsetzung:
Michael Paulisch für legacy.de
Impressum

7 Besucher sind online
02. Sep. 2010
Du bist hier: » EDEN WEINT IM GRAB