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EDEN WEINT IM GRAB
„Die Geschichte von EDEN WEINT IM GRAB ist nicht sonderlich spannend. Ein Demo aufgenommen im Jahr 2000, Projekt wieder begraben, 2004 wieder auferstehen lassen und ohne Erwartungen das Debüt „Traumtrophäen toter Trauertänzer“ aufgenommen, das es online zum freien Download gab.“ So kurz kann man eine mehrjährige Bandgeschichte umreißen, doch mit genau dieser Download-Aktion tritt Alexander Paul Blake eine Welle los, mit der er selbst wohl am allerwenigsten rechnet, so dass es mit EDEN WEINT IM GRAB durchaus spannend weitergeht und dieser Tage mit „Trauermarsch nach Neotopia“ das zweite Album erscheint. Sehr auskunftsfreudig zeigt sich Herr Blake zu diesem Anlass, möchte seine eigene Person jedoch bevorzugt weiterhin im Dunklen wissen. „Alexander Paul Blake ist eigentlich schon ein Unbekannter und soll es auch bleiben. Er ist gewissermaßen das dunkle alter ego, das nur im Zusammenhang mit EDEN WEINT IM GRAB existiert und diesem Projekt jene mysteriöse Aura erleiht, die es vom Alltäglichen abhebt.“ Wegwerfgesellschaft Das Debütalbum „Traumtrophäen toter Trauertänzer“ wird nicht nur nach wie vor zum freien Download angeboten, um mehr Hörer zu erreichen, denn „wozu sollte man in monatelanger, mühevoller Arbeit Songs aufnehmen, die anschließend kaum jemand zu Gehör bekommt? Und da es nicht möglich war, ein großes Label mit solch unkonventioneller Musik zu begeistern, ging ich eben diesen damals noch recht abenteuerlichen Schritt. Mittlerweile gehen ja mehr und mehr Bands dazu über, ihre Musik einfach online zu stellen“. Darüber hinaus findet sich auf der Band-Webseite eine Bemerkung, die klar macht, dass die heutige Konsumgesellschaft auch vor dem leichtfertigen Umgang mit dem künstlerischen Medium Musik nicht mehr Halt macht. „Ja, Musik wurde in den letzten Jahren immer mehr zum Wegwerfprodukt degradiert, was die Veröffentlichungsflut in der Informationsgesellschaft und die Erfindung neuer günstiger Speichermedien und neuer Formate leider mit sich brachte. Ich habe oft den Eindruck, dass viele Menschen Musik nur noch nebenbei und über schlechte Soundsysteme ´konsumieren´ und sich kaum jemand mehr in Ruhe hinsetzt und ganz bewusst nur Musik hört. Andererseits sehe ich selbst, dass es kaum mehr wirklich interessante Veröffentlichungen gibt, die es wert sind, dass man sich dafür Zeit nimmt, denn in kaum einem Genre werden noch ernsthaft neue Impulse gesetzt – fast alles klingt wie eine Kopie des bereits Vorhandenen. So gesehen, scheinen wir uns in einer künstlerischen Endzeit zu befinden, aber das glaubten ja die Künstler seit jeher von ihrer eigenen Epoche. Als Künstler muss man sich aber diesen neuen Mechanismen ein Stück weit einfach anpassen, wenn man wahrgenommen werden will, da hilft kein Lamentieren. Die Entwicklung schreitet unaufhaltsam voran, und wer nicht mitzieht, wird wohl keine Chance haben, seine Musik an Mann und Frau zu bringen.“ Gegenkurs EDEN WEINT IM GRAB schafft es erfolgreich, sich nicht einfach treiben zu lassen, sondern Kategorisierungsschubladen zu umschiffen und eben nicht wie eine Kopie bereits Dagewesenen zu klingen. Das nimmt beim Debütalbum seinen Anfang und wird in ausgereifter und auch verspielterer Form bei „Trauermarsch nach Neotopia“ fortgesetzt. „Ausgereifter würde ich unterschreiben. Ob das Album verspielter ist, kann ich selbst nicht beurteilen, da ich nicht sicher bin, woran man das festmacht. Meiner Meinung nach hat das Album sehr klare Strukturen, kommt auf den Punkt und besitzt eine extrem hohe Eingängigkeit. Meine Einflüsse sind seit jeher mannigfaltig und stammen aus den verschiedensten Stilistiken, da ich mich ungern limitiere. Ich denke, nur so kann man etwas Eigenes erschaffen, denn wird den ganzen Tag nur eine Richtung hört, wird auch mit der eigenen Musik unweigerlich diese Richtung einschlagen. Was die Einflüsse angeht, hat sich also nichts geändert, und mit wem auch immer man die Musik vergleichen mag, es gibt keine andere Band, die ich als Einfluss für EDEN WEINT IM GRAB auch tatsächlich anerkennen würde, da die Beeinflussung immer nur unbewusst geschieht. Mir ist wichtig, dass EDEN WEINT IM GRAB als eigenständige Band wahrgenommen wird.“ Neue Ufer Das neue Label kennt Alexander Paul Blake bereits durch eine anderweitige Zusammenarbeit und kann sie letzten Endes überreden, die Sache mit EDEN WEINT IM GRAB zu riskieren. „Glücklicherweise gaben sie mir diese Chance, denn EDEN WEINT IM GRAB ist für jedes Label ein gewisses Risiko, da dieses Projekt in keine Schublade passt und sich die Vermarktung schwerer gestaltet als beispielsweise bei der x-ten MetalCore- oder Death Metal-Band, wo jeder weiß, woran er ist. Bislang bin ich mit der Zusammenarbeit zufrieden. Mal abwarten, wie sich alles weiter entwickelt, es beginnen gerade spannende Zeiten, da sich die Dinge nun endlich zu bewegen scheinen.“ Kreativität ist eigensinnig Dieses Studio ist der Ort, an den sich Herr Blake zurückzieht, wenn es gilt, seine Visionen weiter zu entwickeln. „Ich setzte mich ins Studio und spiele so lange an meinen Geräten herum, bis etwas Brauchbares den Weg durch die Soundkarte findet. Manchmal entstehen dabei großartige Dinge, oftmals gibt man auch nach einer Weile entnervt auf, weil man überhaupt nichts Akzeptables auf die Reihe bekommt. Kreativität lässt sich eben nicht erzwingen, wie ich oftmals schon leidvoll erfahren musste. Fakt ist jedenfalls, dass meine Songs immer eine Weile brauchen, bis sie zu dem werden, was man letztlich hört, denn Produktion und Arrangement sind dabei ein sehr entscheidender Faktor, und die Stücke brauchen immer Zeit, um zu wachsen. Ich bin kein spontaner Songwriter, der innerhalb von einer halben Stunde einen großen Song schreibt, sondern eher ein Produzent und Tüftler, der seine Visionen erst entwickelt, wenn die ersten Rhythmen und Akkorde schon auf Band sind, und ohne sein eigenes Studio wohl aufgeschmissen wäre.“ Die größere Wirklichkeit “Kommt drauf an, welche Gesellschaft man betrachtet. In unserer Kultur wird das Thema Tod gerne verdrängt und damit Ängste geschürt, weil der Wegfall alter Glaubenssysteme und die Erklärung der Welt rein durch den Verstand eine große Lücke hinterlassen haben, die ich als Romantiker gerne wieder füllen möchte, indem ich das Transzendente thematisiere. Die Welt ist eben nicht rein durch die Ratio und die Naturwissenschaft erklärbar, beides gerät an einem gewissen Punkt an seine Grenzen – und fernab dieser Grenzen werden Gedanken gerne als Esoterik abgetan. So gesehen sind EDEN WEINT IM GRAB esoterisch oder besser gesagt spirituell, denn ich sehe Leben und Tod nur als Teil einer viel größeren Wirklichkeit an und ironisiere das beschränkte Denken vieler Menschen in den Texten, indem ich dem kalten, engen und nassen Grab so viel Aufmerksamkeit schenke. Eigentlich geht es mir jedoch nur darum zu sagen, dass die Seele kein Grab kennt und ich den Tod als ein Tor zu einem neuen Bewusstseinszustand sehe.“ Künstlerische Freiheit Unwissend oder mit dem großen Fragezeichen im Gesicht fühlt sich der Hörer mitunter auch, wenn er mit Textzeilen wie ´Meine Trauerweide weidet nicht´ oder ´Das Leben ruht am Zeitenrand´ (beide aus dem Stück ´Für Phantasus, ein Traumsonett…´) konfrontiert wird. Unweigerlich kommt man ins Grübeln, ob das Leben oftmals nicht mehr das Leben ist, das wir leben könnten, wenn wir aus der Lethargie und Motivationslosigkeit erwachen würden, und ob sich das auch wieder in einem Stück wie ´Weltgeheimnis´ wiederfindet. “Also, ´Für Phantasus ein Traumsonett´ ist ein Lied über Kunst – über ein Leben für die Kunst, für die man sich in eine eigene gedankliche Welt zurückzieht. Entsprechend muss man den Text nicht wortwörtlich lesen. Aber jedem steht frei, herauszulesen, was immer ihm beliebt, denn dafür ist ein EDEN WEINT IM GRAB-Songtext schließlich so geschrieben, dass er auf mehren Ebenen funktioniert und verschiedene Interpretationen zulässt, von denen keine richtig oder falsch sind. Und ich als Urheber interpretiere die Texte auch nur. Manchmal schreibt man gedankenverloren etwas auf und wundert sich nachher, wie man darauf gekommen ist und was es zu bedeuten hat. Aber irgendwann ergibt es dann wieder Sinn, wenn man eine Weile darüber nachgedacht hat. ´Weltgeheimnis´ ist aus meiner Sicht ein Song über jenen angesprochenen Zauber, der in unserer Welt verloren gegangen ist. Der Protagonist tritt eine Reise nach Neotopia an, um ihn wieder zu finden und das Weltgeheimnis zu ergründen. Ob Neotopia nun eine Art Jenseits ist oder doch ein kleines Königreich in jedem von uns, überlasse ich dem Hörer.“ Namhafte Einflüsse EDEN WEINT IM GRAB sträubt sich, musikalische Einflüsse zu nennen, fließen diese doch, wenn überhaupt, unbewusst ein. Seine Texte hingegen sieht Herr Blake in der ´Tradition solcher Strömungen wie Romantik, Symbolismus oder Surrealismus´ und gibt Interessierten ein paar lyrische Empfehlungen mit auf den Weg. „Ich habe deutsche und englische Literaturwissenschaft studiert und konnte mir dadurch ein solides Grundwissen aneignen. In letzter Zeit kommt die Poesie aber viel zu kurz, weil der ‚geschäftliche’ Alltag alle Energie in Anspruch nimmt und für ruhige Momente der Einkehr kaum noch Zeit ist – und wenn dann eher, indem man im Studio sitzt und an neuen Songs arbeitet. Das nervt ein wenig, und ich hoffe, dass sich die Zeiten wieder ändern. Großer Einfluss für mich waren Dichter wie Rimbaud, Baudelaire, Novalis, Rilke, Benn oder Trakl, deren Lyrik ich jedem Interessierten natürlich wärmstens ans Herz legen kann.“ Und damit nähert sich ein interessantes und etwas ungewöhnliches Interview seinem Ende. Zeit für die berühmten letzten Worte. “Danke für die interessanten Fragen, und danke an die EDEN WEINT IM GRAB-Fans, die mir nach dem ersten Album den Mut gaben, weiter an das Projekt zu glauben. Ich hoffe, sie werden das zweite Album ebenso lieben und ihm trotz der Tatsache, dass man die CD nun kaufen muss, eine Chance geben...“ Endrew Stepan |
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