MIDWINTER
Interview-Langfassung
Gut zwei Jahre sind seit dem letzten Interview mit MIDWINTER im Legacy vergangen, und das soeben erschienene zweite Album „Between Wisdom And Lunacy“ ist mehr als Anlass genug, anzuklopfen, was es Neues gibt im Hause MIDWINTER und was sich in der Zwischenzeit so tat. „Vorrangig waren wir zwischen den Alben mit den Dingen beschäftigt, die alle Bands machen: Neue Songs schreiben und so oft wie möglich die Bühne erklimmen“, so Andi, Bassist und Mastermind bei MIDWINTER. „An den Konzerten kann man ablesen, wie wir als Band gewachsen und im Songwriting gereift sind, und an unseren Songs erkennt man, wie wir uns als Menschen weiter entwickelt haben. Da hat sich einiges getan.“ Da MIDWINTER ein eigenes Studio betreiben, haben sie die Möglichkeit, sich etwas mehr Zeit zu lassen. „Das zweite Album entstand zwar etwas schneller als das erste, aber die Betonung liegt auf ´etwas´. Es dauerte immer noch ein halbes Jahr, haha. Für uns alle waren die Aufnahmen zu „Astral Mirrors“ eine ganz neue Erfahrung, deren Früchte nun beim Zweitwerk geerntet werden konnten. Auch für mich als Tontechniker und Produzenten haben sich die letzten drei Jahre, in denen ich auch verschiedene andere Bands betreut habe, positiv ausgezahlt. Die Routine ist gewachsen; gleich geblieben ist die kindliche Begeisterung für Details und eine lawinenartige Kreativität, mit der alle Beteiligten infiziert wurden.“ Textlich ist das neue MIDWINTER-Album ambivalenter geworden. Während „Astral Mirrors“ etwas ernster und intimer gehalten war, wurde bei „Between Wisdom And Lunacy“ textlich stärker experimentiert. „Daher findet sich dann auch schon mal eine Art Party-Song wie ´Dragonrock´ oder auch eine Hymne wie ´Where Steel Is Born´, die – als Hommage an Bands wie Bathory oder Unleashed – klischeemäßig auf die Kacke hauen darf. Nicht nur, aber auch!“ Und Andi verrät uns auch, warum das Stück ´Thorns Of Ice´ zwar einen englischen Titel, aber einen deutschen Text hat. „Das ist eine lange Geschichte. ´Thorns Of Ice´ ist einer unserer ersten Songs aus dem Jahr 1999, der bereits auf dem ersten MIDWINTER-Demo „Loss Of Light“ zu finden war. Esther hat die Musik geschrieben und den Songtitel vorgegeben. Der ursprüngliche Text stammte von unserem ehemaligen Sänger Jörg, der nach seinem Ausscheiden 2001 die Rechte an den Lyrics behielt. Danach gab es immer wieder wechselnde Texte für den Song, die uns jedoch nie richtig überzeugten. Lediglich der Titel blieb. Dann kam unser Sänger Mordan kurz vor den Aufnahmen zu „Between Wisdom And Lunacy“ plötzlich mit einem hervorragenden deutschen Text an, mit dem wir alle glücklich waren. Letztlich blieben wir jedoch beim englischen Titel. Wir kennen diesen Song nur als ´Thorns Of Ice´, und eine Umbenennung war nie ein Thema, zumal der deutsche Text und der englische Titel thematisch aufeinander aufbauen.“ Neben den Eigenkompositionen hat auch eine Coverversion des Ramones-Klassikers ´Pet Sematary´ in einer gelungenen und Party-tauglichen Umsetzung den Weg auf das zweite Album gefunden. Haben MIDWINTER ihr Herz für Coverversionen entdeckt und, wenn ja, welche Songs könnten sie noch reizen? „Wir diskutieren das schon ziemlich intensiv in der Band. Jeder hat da seine eigenen Vorstellungen. Die Ideen umfassen erneut genrefremdes Material als auch schwarzmetallische Klassiker. Gar nicht so einfach, einen Song zu finden, der allen gerecht wird und den wir in unserem eigenen Stil sinnvoll darbieten können. ´Pet Sematary´ war ein Glücksfall, der uns alle sofort überzeugt hat. Wahrscheinlich wird es das nächste Mal aber was völlig anderes werden.“ Auffällig bei MIDWINTER ist die Experimentierfreude. Und bei fünf Köpfen ist es sicher nicht einfach, alles unter einen Hut zu bekommen. „Wir bemühen uns schon, das kreative Potential von fünf Individualisten voll auszuschöpfen. Damit bleibt man als Band länger interessant. Nichtsdestotrotz schreiben unsere Gitarristin Esther und ich einen Großteil der Songs. Als Produzent des Albums war es dazu meine Aufgabe, aus den vielen Ideen einen homogenen Mix zu zaubern. Gar nicht so einfach, denn prinzipiell funktioniert MIDWINTER schon demokratisch.“ Seit kurzem sind sie nun zu sechst. Vor kurzem stieß Lars als zweiter Gitarrist zu MIDWINTER, so dass Veränderungen zu erwarten sind. „Lars ist erst so kurz in der Band, dass wir die bisherige Zeit nur dazu nutzen konnten, ein Bühnenset mit ihm einzustudieren. Aber er stellte uns schon einige eigene Songideen vor und wird sicher frischen Wind in die Band bringen. Ich denke, es wird sich insgesamt einiges an der Rollenverteilung zwischen Gitarren, Keyboard und Bass ändern. Während sich unsere Gitarre manchmal zurücknehmen musste, um den nötigen Druck zu gewährleisten und das Keyboard dafür die Melodien übernahm, haben wir nun die Möglichkeit, die Melodieführung stärker der Gitarre anzuvertrauen, so dass sich Bass und Keyboard auch mal zurücknehmen können. Und Harmonien zwischen zwei Gitarren klingen immer noch völlig anders als zwischen Gitarre und Synthies. Das ermöglicht uns zahlreiche neue Optionen, auf die wir uns freuen.“ MIDWINTER verstehen es, die Leute mit ihrer Musik zu begeistern und mitzureißen. Anders herum gefragt ist es daher interessant, mal zu hinterfragen, welche Veröffentlichungen der letzten Zeit MIDWINTER ihrerseits begeistern können. Sänger Mordan gibt uns hier einige seiner persönlichen Anspieltipps: „Bei der heutigen Veröffentlichungsflut ist es schwierig, den Überblick zu behalten. Es gibt nur noch wenige Bands, die sich vom Gros abheben und mich persönlich überzeugen können. Ein paar positive Outputs sind zum Beispiel „Antithesis“ von Secrets Of The Moon, „Kainsmal“ von Geist oder „Frostnacht“ von Helrunar! Auch Lunar Aurora oder Dark Fortress schaffen es, mich mitzureißen, da man beim Anhören der Scheiben merkt, dass die Musiker hinter dem stehen, was sie kreieren. Letztlich hat bei uns aber jeder seine eigenen musikalischen Helden und Vorlieben.“ MIDWINTER sagen selbst, dass sie live am stärksten sind und sind für 2007 bereits im Billing einiger Festivals vorgesehen. Doch noch ist es zu früh, neben den bestätigten Terminen Näheres zu sagen. „Konkrete Tour-Pläne gibt es auch noch nicht, aber wir hoffen auf eine Tour, um „Between Wisdom And Lunacy“ promoten zu können. Insbesondere, da unsere 2005 geplante Tour ohne eigenes Verschulden nach zwei Gigs platzte, sind wir extrem geil drauf, mit MIDWINTER auf Achse zu gehen.“ Hier schaltet sich Sänger Mordan noch einmal ein und fügt hinzu: „Live-technisch sind ehrlicher Schweiß, Herzblut und Freude an der Sache zu erwarten! Wir lieben es einfach, unser Material auf der Bühne umzusetzen und dabei Auge in Auge mit dem geneigten Metalhead zu sein!“ Auch die letzten Worte teilen sich die beiden auf. Während Andi uns nahe legt, die umfangreiche und sehr informative Band-Website zu besuchen, um alles Wissenswerte über MIDWINTER zu erfahren, gibt Mordan uns mit auf den Weg: „Unterstützt Eure lokale Metal-Szene und somit die hiesigen aufstrebenden Bands! Mehr gibt es nicht zu sagen. Metal on!“.
Endrew Stepan
www.midwinter-online.de
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Ausgabe 68
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