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Aborym

Black Metal ist tot!

Mit „Kali-Yuga Bizarre“ steht das Debut-Album der italienischen Band ABORYM in den CD-Shops, welches durch die Beteiligung des ehemaligen Tormentor/Mayhem-Sängers Attilla Csihar sicherlich einen gehörigen Promotionsschub bekommen wird. Dabei ist dieser Hype überhaupt nicht nötig, bietet der erste Longplayer der schon 1991 gegründeten Band doch durchaus interessante, vielschichtige Musik, die zudem sehr eigenständig  und originell dargeboten wird. Paßt der Begriff Black Metal da überhaupt noch, wie uns das Platteninfo weiß machen will, frage ich meinen Interviewpartner. „Ich würde sagen, es ist extreme Musik, beeinflußt von vielen verschiedenen Stilen. Ich weiß nicht, wir sind alle von sehr unterschiedlicher Musik beeinflußt, wie z.B. Dark-Ambient, elektronische Musik, Black Metal, Industrial“. Aber man wird trotzdem als Black Metal verkauft, was der Band aber gar nicht paßt. „Ich mag Black Metal nicht besonders.“ Die heutige Szene sei doch eher langweilig und kommerziell und nicht mehr düster. Da würde er doch eher die Elektronik-, Dark-Ambient-, Gothic- oder Industrial-Szene vorziehen, die noch wirklich düster sei. „Andere Musik kann auch unheilig und dunkel sein. Black Metal ist tot! Die Musiker sind meist Clowns!“ Allerdings gäbe es ein paar Bands, wie Impaled Nazarene, Satyricon oder Thorns, die er sehr schätze. Textlich hebt man sich auch von der Szene ab. In den Songtiteln findet man sehr viele Begriffe, die sich auf die indische Mythologie beziehen, so daß es naheliegt zu vermuten, „Kali-Yuga Bizarre“ sei ein Konzeptalbum. Diese Illusion wird mir aber genommen. Die Songtexte stehen alle für sich, und seien doch eher psychotisch und krank ausgefallen, als satanisch. „Mit dem Song „Wehrmacht Kali Ma“ haben wir Probleme mit SPV gehabt, dabei ist der Inhalt nicht politisch, sondern es geht um den Triumph des Willens. Unser Cover mußten wir auch ändern...“ Das Original-Artwork mußte auch geändert werden, da es Szenen darstellte, die mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung standen. Das war wohl zu viel der Provokation. Auf dem Album gibt es einige  Songs, die besonders hervorstechen, z.B. das sakrale „Come Thou Long Expected Jesus“, „Hellraiser“ und besonders „Tantra Bizarre“. „Ja, „Tantra Bizarre“ hat gar nichts mit Metal zu tun, und ist deswegen sehr extrem und auffällig.“ Nun, dieses Stück geht eher in die elektronische Richtung, von der man sich ja stark beeinflußt zeigt. Die Band mag aber gerade diesen Song. Trotzdem wolle man beim nächsten Album darauf achten, daß man nicht unbedingt wieder Songs hat,  die diese Einflüsse allein darstellen, sondern die verschiedenen Stile besser mischt. „Dies ist uns noch nicht richtig gelungen. Das wird beim nächsten Album besser“. Der Song „Hellraiser“ sei vom Soundtrack der Filmserie beeinflußt und beschäftige sich natürlich auch textlich mit dem Streifen. Wie oben schon erwähnt befindet sich mit Attila ein Musiker in der Band, der einen schon fast legendären Ruf hat. „Er ist keineswegs nur ein Sessionmitglied, auch wenn sich die Zusammenarbeit wegen der Entfernung zueinander etwas schwierig gestaltet.“ Attila sei eine sehr extreme Persönlichkeit, erfahre ich. Das erste Zusammentreffen mit ihm – nachdem man sich nur vom Telefon kannte - sei sehr „eindrucksvoll“ gewesen. „Er kam ohne einen Pfennig Geld in der Tasche und voll auf Drogen hier am Flughafen an. Er sah aus wie ein Zombie!“. Trotzdem würde man am nächsten Album auch wieder zusammen arbeiten, obwohl Attila auch andere Projekte laufen hat, und wäre schon dabei, Ideen für den nächsten Longplayer zu sammeln. Aus Italien kommen neben ABORYM zur Zeit eigentlich eine Menge nette Bands, man denke nur an die göttlichen Opera IX, oder auch die hoffnungsvollen Newcomer von Stormlord. „Die italienische Metal-Szene ist Scheiße!“, schallt es mir aus dem Hörer entgegen, „Opera IX, die du erwähnst, mag ich z.B. gar nicht. Weder die Fans, noch die Bands sind gut. Unprofessionell und schlecht. Necrodeath und Bulldozer waren gute Bands! Die Dark Wave- und EBM-Szene, mit Bands wie Ataraxia und Kirlian Camera, ist viel, viel besser. Wir haben fantastische Elektrobands hier in Italien. Ihr habt in Deutschland ja auch erstklassige Bands dieser Szene, z.B. Die Einstürzenden Neubauten“.  Ich habe so den Eindruck, daß mein Gesprächspartner mit Metal wirklich nicht so viel anfangen kann, wie uns das Info weiß machen will. Allerdings hat sich der Sound der Band auch geändert, denn man startete schon 1991 als reinrassige Black Metal-Formation. Es habe halt eine Weiterentwicklung stattgefunden. Das tut der Band aber auch gut, denn wer ist heute schon mit 08/15-Black Metal zu begeistern. „Ich höre halt auch lieber Bands wie Blood Axis. Durch die verschiedenen Stilelemente entsteht unsere Musik, mit der wir nicht versuchen, irgendwen zu kopieren, sondern unsere Einflüsse mit unseren Visionen zu verbinden. Es gab die Band ja auch eine Zeit lang nicht mehr“. Damals hatte man ein normales Black Metal-Tape auf den Demo-Markt geworfen und sich bald wieder getrennt. Nach der Reanimation der Band (mit neuen Musikern) hatte man aber schnell den heutigen Stil gefunden, den Ihr da draußen mal anchecken solltet, indem Ihr  Euch das wirklich innovative Album der Band zulegt. Es lohnt sich!

Olaf Brinkmann

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